Berufshaftpflicht für Rechtsanwälte

Berufshaftpflicht Versicherung für Rechtsanwälte auf besttarif.org!

Inhalt dieses Artikels

    In der französischen Sprache bezeichnet man die Haftpflicht als „responsabilité“, was in der deutschen Sprache „Verantwortlichkeit“ bedeutet – und genau darum geht es bei der Berufshaftpflichtversicherung der Anwälte. Der Berufshaftpflicht liegt die Tatsache zugrunde, dass jede Person vor dem Gesetz für Schäden verantwortlich ist, die sie bei der Ausübung ihres Berufes verursacht. § 823 BGB besagt, dass derjenige zum Schadenersatz verpflichtet ist, der vorsätzlich oder fahrlässig Leben, Körper, Gesundheit, Freiheit oder Eigentum widerrechtlich verletzt.

    Der Berufshaftpflicht direkt unterliegen alle selbständigen Unternehmer unterschiedlichster Branchen. Ein Rechtsanwalt oder ein Notar übernimmt die Haftung für seine Kanzlei, ein Arzt für seine Praxis, ein Steuer- oder Unternehmensberater für sein Beratungsbüro. Besonders Rechtsanwälte haben durch ihren Beruf eine besondere Verantwortung. Häufig geht es in den bearbeiteten Fällen um die Freiheit eines Menschen oder um Beträge in Höhe von mehreren Millionen Euro.

    1. In der Berufshaftpflichtversicherung abzusichernde Risiken

    Das deutsche Rechtssystem ist sehr umfangreich. Für einen Anwalt reicht es nicht aus, die gängigen Gesetze zu kennen, sondern muss sich zugleich auch im sogenannten Richterrecht auskennen, das sich aus ergangenen Rechtsprüchen der Vergangenheit zusammensetzt. Zudem sind viele Rechtsproblematiken Auslegungssache. Aufgrund dieser schier unüberschaubaren Vielfalt geht ein Anwalt täglich das Risiko ein, dass er einen Fehler begeht, beispielsweise eine Rechtsvorschrift falsch auslegt oder eine banale Fristversäumnis. Im schlimmsten Fall kann dies finanzielle Folgen für den Mandanten haben. Für einen solchen Vermögensschaden muss der Rechtsanwalt geradestehen. Aufgrund der möglichen Höhe der Schäden ist es wichtig, für eine Absicherung zu sorgen, die den Anwalt vor derartigen Forderungen schützt. Andernfalls könnte selbst ein kleiner Fehler schnell existenzgefährdend werden.

    Der § 51 BRAO (Bundesrechtsanwaltsverordnung) schreibt vor, dass jeder in Deutschland zugelassene Rechtsanwalt dazu verpflichtet ist, eine Berufshaftpflicht abzuschließen, die durch Beratungsfehler entstandene Vermögensschäden einschließt. Man spricht in diesem Zusammenhang von der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung. Neben Anwälten sind noch weitere Berufe von dieser Pflicht betroffen, darunter Menschen, die als Notare, Versicherungs-, Immobilien- und Finanzmakler sowie Steuerberater tätig sind.

    Damit ein Rechtsanwalt in Deutschland die anwaltliche Zulassung zur Niederlassung mit einer Kanzlei erhält, muss er gemäß der BRAO den Nachweis über eine gültige Berufshaftpflichtversicherung erbringen. Diese deckt nicht nur Schadenfälle ab, die der Anwalt selbst verursacht, sondern versichert darüber hinaus auch dessen Mitarbeiter. Stellt der Anwalt also beispielsweise einen oder mehrere Rechtsanwaltsfachgehilfen für die Erledigung der administrativen Aufgaben ein, haftet der Versicherer im Rahmen der Versicherungssumme auch für deren Fehler.

    Die Absicherung über eine Berufshaftpflicht beschränkt sich nicht nur auf die Erstattung verursachter Vermögensschäden, sondern schützt mit ihrem Service zugleich auch vor unberechtigten Ansprüchen. Tritt ein Vermögensschaden ein, für den ein Mandant unberechtigt Schadenersatz fordert, tritt der Rechtsschutz der Berufshaftpflicht in Kraft. Landet ein Fall vor Gericht, müssen sich Anwälte jedoch nicht selbst vertreten: Sind sie selbst betroffen, legen auch Anwälte oft nicht die erforderliche Sachlichkeit an den Tag und übersehen unter Umständen Aspekte, die für Klärung des Falles wichtig sind. Der betroffene Anwalt kann daher verlangen, dass der Versicherer einen Kollegen engagiert, der ihn vor Gericht vertritt.

    2. Versicherte Tätigkeit in der Berufshaftpflicht

    Grundsätzlich umfasst die betriebliche Absicherung stets die Haftung für Schadenfälle, die aus der Tätigkeit als Rechtsanwalt resultieren, wenn er seine Mandanten also beispielweise in Rechtsfragen berät oder sie vor Gericht vertritt. Darüber hinaus können aber je nach Versicherungsbedingungen weitere Tätigkeiten versichert sein, beispielsweise als

    • Insolvenzverwalter
    • Zwangsverwalter
    • Testamentsvollstrecker
    • Nachlassverwalter
    • Vormund, Betreuer, Pfleger
    • Schiedsrichter

    Welche Tätigkeit und welche Berufe vom Versicherungsschutz umfasst werden, sollte vor Abschluss eines Angebots ebenso wie die Leistungen genau geprüft werden.

    3. Einflussfaktoren auf die Prämie der Berufshaftpflichtversicherung

    Der Versicherer benötigt eine Vielzahl unterschiedlicher Angaben, um das individuelle Risiko im Rahmen der Berufshaftpflicht abzuschätzen. Zu diesem Thema stellen die Versicherungsgesellschaften insbesondere folgende Fragen zum Betrieb:

    • Wie hoch sind die gesamten Einnahmen aus den Jahreshonoraren?
    • Wie viele Rechtsanwälte umfasst die Kanzlei?
    • Welche Rechtsgebiete decken diese ab?
    • Wie viele Angestellte beschäftigt der Betrieb und welche Funktion haben diese inne?
    • Welche Rechtsform weist der Betrieb auf?
    • Musste in der Vergangenheit bereits eine Berufshaftpflicht in Anspruch genommen werden?
    • Werden auch Mandanten im Ausland betreut?

    Auf der Grundlage der Angaben der zu versichernden Kanzlei erstellt die Versicherungsgesellschaft das Angebot für die Berufshaftpflicht. Sie sind die Basis für die Berechnung der Prämienhöhe sowie für die Ausfertigung des Vertrags und der Versicherungsbedingungen.

    Je mehr Angestellte im Unternehmen beschäftigt sind und je größer das Auftragsvolumen ist, desto größer ist das Risiko, dass bei der täglichen Tätigkeit Fehler passieren. Aber auch der Schadensbetrag fällig im individuellen Fall oft höher aus.

    Die möglichen Tätigkeitsgebiete von Rechtsanwälten sind sehr vielfältig. Sie reichen vom Strafrecht über das Zivilrecht bis hin zum internationalen Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht. Ein Rechtsanwalt, der für international tätige Firmen arbeitet, hat eine besonders anspruchsvolle Aufgabe: Er muss all die verschiedenen Rechtssysteme ebenso kennen, wie die Chancen und Risiken, die sie seinen Kunden bieten. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den vielfältigen Kriterien, die für die Einschätzung des finanziellen Risikos eines Anwalts entscheidend sein können.

    4. Wer versichert die Berufshaftpflicht des Rechtsanwalts zu welchen Bedingungen?

    Nicht alle Versicherungsgesellschaften bieten die Berufshaftpflicht an, die den Rechtsanwalt vor seiner Haftung schützt. Viele Anbieter versichern im Rahmen der Betriebshaftpflichtversicherung nur das Risiko von Personen- oder Sachschäden, schließen aber die entscheidenden echten Vermögensschäden im Rahmen der Berufshaftpflicht aus. besttarif.org bietet Ihnen die Möglichkeit, Informationen über die Gesellschaften einzuholen, die Tarife für Rechtsanwälte und die Absicherung ihrer Berufshaftpflicht anbieten.

    Welcher Anbieter die günstigste Prämie anbietet, ist bei der Versicherung der Berufshaftpflicht des Anwalts nicht primär entscheidend. Für den Rechtsanwalt ist der Leistungsumfang entscheidend. Aus den Bedingungen muss klar ersichtlich sein, welche beruflichen Risiken versichert sind und welche nicht. Ebenso müssen die Höhe der maximalen Entschädigung sowie eine etwaige Selbstbeteiligung aus den Vertragsbedingungen hervorgehen. Nicht zu verachten ist auch die Servicebereitschaft, die mit dem Versicherungsschutz einhergeht. Im Schadenfall ist es wichtig, dass der Versicherer schnell reagiert und der Betrag zügig ausgeglichen wird. Die Beratung des Anwalts vor Vertragsschluss in Hinblick auf betriebliche Besonderheiten und der Umgang mit Änderungen des Leistungsumfangs können wichtig sein, wenn es um den beruflichen Versicherungsschutz geht.

    Derzeit bieten besttarif.og zufolge folgende Versicherungsgesellschaften eine Berufshaftpflichtversicherung für Rechtsanwälte einschließlich der Deckung von Vermögensschaden an:

    • ALLIANZ
    • Alte Leipziger – Hallesche
    • AMB Generali
    • AXA Deutschland
    • Debeka
    • DEVK
    • Gothaer
    • HUK-Coburg
    • Continentale Krankenversicherung
    • LVM Versicherung
    • Münchner Rück
    • Nürnberger Versicherungsgruppe
    • Provinzial Nordwest
    • R+V Versicherung
    • Signal Iduna Gruppe
    • SV SparkassenVersicherung
    • Talanx
    • Versicherungskammer Bayern
    • Wüstenrot & Württembergische
    • Zurich Gruppe

    § 51 Abs. 4 BRAO schreibt vor, dass die Mindestversicherungssumme pro Jahr 250.000 Euro betragen muss. Bei vielen Anbietern kann die Versicherungssumme pro Jahr bis zu vier Mal in Anspruch genommen werden, sodass sie insgesamt eine Million Euro beträgt. Es besteht zudem die Möglichkeit einer in die Vergangenheit gerichteten Absicherung für Fehler, die bereits begangen wurden, deren Auswirkungen aber erst in Zukunft sichtbar werden. Für diesen Schutz fallen allerdings erhöhte Kosten an.

    5. Vorgehensweise im Schadenfall

    Damit die Berufshaftpflicht im Schadenfall ihre Leistungen erbringen kann, ist die Mitarbeit des betroffenen Anwalts erforderlich. Um den Versicherungsschutz nicht zu gefährden, muss der Rechtsanwalt seinem Ansprechpartner bei der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung die Schäden unverzüglich und vollständig melden. Unverzüglich bedeutet eine Meldung spätestens innerhalb einer Woche ab Kenntnisnahme von dem Schadenfall. Um den Schutz durch die anwaltliche Berufshaftpflichtversicherung aufrecht erhalten zu können, darf der Rechtsanwalt den Anspruch der Gegenseite nicht einfach anerkennen, solange er dies nicht mit dem Ansprechpartner der Betriebshaftpflicht abgesprochen hat.

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