Insassen-Unfallversicherung – heute noch zeitgemäß?

Insassenunfallversicherung sinnvoll?

Wenn Sie sich das Portfolio der Versicherungswirtschaft anschauen, finden Sie heute mehr Versicherungen als jemals zuvor. Das liegt unter anderem an der Tatsache, dass auch scheinbar überholte Versicherungen immer noch angeboten werden. Zu diesen Policen gehört auch die Insassen-Unfallversicherung, die immer mehr Versicherte verliert. Laut dem Statistischen Taschenbuch des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) aus dem Jahr 2013 werden nur noch 3,7 Millionen Verträge in dieser Sparte geführt. Im Jahr 2000 lag die Zahl noch bei 9,2 Millionen. Im Folgenden möchten wir Ihnen nun zeigen, warum immer mehr Menschen ihre Insassen-Unfallversicherungen kündigen.

Was sichert eine Insassen-Unfallversicherung eigentlich ab?

Sollten Sie sich für eine Insassen-Unfallversicherung entscheiden, sind Sie und die Insassen in Ihrem Fahrzeug bei einem Unfall entsprechend abgesichert. Dabei wird vorher eine Versicherungssumme festgelegt und auf die betroffenen Insassen verteilt. Es gibt zudem die Leistungsoption, dass sich die Gesamtversicherungssumme bei mehreren Beteiligten um bis zu 50% erhöht. Somit lässt sich die Insassen-Unfallversicherung also als normale Unfallversicherung bezeichnen, die jedoch nur einen ganz speziellen Fall absichert. Früher wurde als Verkaufsargument gerne erwähnt, dass bei einem Unfall ohne Schuldigen (geplatzter Reifen) keine Zahlung durch die Autohaftpflicht des Fahrers zu erwarten sei. Mittlerweile wurde diese Lücke jedoch geschlossen und die Kfz-Haftpflicht des Fahrers muss auch in diesem Fall zahlen. Gerade deshalb ist die Insassen-Unfallversicherung heute eigentlich überflüssig.

Die Leistungen der Insassen-Unfallversicherung im Überblick:

  • Bei einem Unfall sind die Insassen in einem Fahrzeug abgesichert
  • Absicherung erfolgt durch eine festgelegte Versicherungssumme
  • Bei mehreren Betroffenen wird die Versicherungssumme aufgeteilt
  • Als Wahlleistung lässt sich die Versicherungssumme bei mehreren Betroffenen um bis zu 50% erhöhen

Nun möchten wir Ihnen zeigen, welche Versicherungen bei einem Unfall die Absicherung der Insassen noch übernehmen:

  1. Unfall bei eigener Schuld des Fahrers. Die Insassen eines Fahrzeugs, dessen Fahrer einen Unfall verschuldet, werden durch die Kfz Haftpflicht des Fahrers abgesichert. Sollten sich also dauerhafte Verletzungen oder gar eine Invalidität ergeben, kommt die Kfz Haftpflicht des Fahrers dafür auf. Der Fahrer selbst ist in vielen Fällen entweder durch eine private Unfallversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert.
  2. Unfall bei Schuld des anderen Verkehrsteilnehmers. In diesem Fall ist die Absicherung ganz einfach, denn die Kfz Haftpflicht des anderen Verkehrsteilnehmers muss für alle Konsequenzen aus dem Unfall aufkommen. In diesem Fall ist auch der Fahrer abgesichert.
  3. Schuldloser Unfall ohne anderen Verkehrsteilnehmer. Sollte beispielsweise ein Reifen platzen und es zu einem Unfall kommen, zahlt die Kfz Haftpflicht des Fahrers mittlerweile trotzdem an alle Insassen außer den Fahrer. Dieser ist jedoch oftmals durch eine Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung versichert.
  4. Unfall durch Radfahrer oder Fußgänger ohne eigene Haftpflichtversicherung. In diesem Fall liegt tatsächlich eine kleine Versicherunglücke im Bereich der Kfz Haftpflicht vor. Allerdings übernimmt hier entweder eine private Unfallversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung etwaige Kosten.

Welche Versicherungen machen die Insassen-Unfallversicherung überflüssig?

In den obigen Beispielen wurden je nach Situation die Kfz Haftpflicht, die allgemeine Unfallversicherung oder die Berufsunfähigkeitsversicherung als Absicherung bei einem Unfall genannt. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Sie auch eine solche Versicherung abgeschlossen haben. Bei der Kfz Haftpflicht des Fahrers stellt dies kein Problem, denn eine solche Versicherung ist für jeden Fahrzeughalter in Deutschland Pflicht. Dies bedeutet für alle Insassen außer den Fahrer, dass sie bei einem Unfall durch das Verschulden eines Autofahrers stets abgesichert sind. Verursacht der eigene Fahrer einen Unfall, zahlt seine Autohaftpflicht. Liegt die Schuld beim anderen Autofahrer, übernimmt dessen Kfz Haftpflicht die Kosten.

Problematischer wird es für den Fahrer, wenn er einen Unfall selbst verschuldet und dabei zu Schaden kommt oder für alle Insassen, wenn der Unfall durch einen Radfahrer oder Fußgänger ohne Haftpflichtversicherung verschuldet wird. Eine Privathaftpflichtversicherung ist nämlich nicht verpflichtend. In diesem Fall wird die akute Notfallversorgung und Heilung von der eigenen Krankenkasse übernommen, aber Spätfolgen wie Invalidität und Berufsunfähigkeit sind nicht abgesichert. Aus diesem Grund ist es immer sinnvoll, entweder eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine allgemeine Unfallversicherung abzuschließen, denn diese sichert Sie als Insasse einen Fahrzeugs immer dann ab, wenn die jeweilige Kfz Haftpflicht nicht zahlt.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Ist an einem Unfall ein Autofahrer schuld, kommt seine Kfz Haftpflicht für alle Schäden auf → Insassen-Unfallversicherung überflüssig
  • Der Fahrer selbst kann durch eine Unfallversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung gegen Spätfolgen abgesichert werden → Insassen-Unfallversicherung unnötig
  • Eine der beiden Versicherungen ist auch für Insassen interessant, wenn jemand ohne Haftpflichtversicherung einen Unfall verursacht → Insassenunfallversicherung unnötig

Insassen-Unfallversicherung, Unfallversicherung und BU-Versicherung – der Zusammenhang

Streng genommen ist die Insassen-Unfallversicherung eine ganz normale Unfallversicherung, die sich exakt auf einen Lebensbereich spezialisiert hat. Werden Sie bei einem Verkehrsunfall verletzt, zahlt die Insassen-Unfallversicherung. Sollten durch einen Sportunfall Langzeitfolgen entstehen, ist keine Leistung von der Insassen-Unfallversicherung zur erwarten. Die allgemeine Unfallversicherung leistet hier jedoch sehr wohl, denn sie deckt sämtliche Unfälle ab – auch Verkehrsunfälle. Zwar ist eine Insassen-Unfallversicherung günstiger als eine allgemeine Unfallversicherung, aber diese deckt auch wesentlich mehr Lebensbereiche ab. Aus diesem Grund ist die Unfallversicherung der Insassen-Unfallversicherung vorzuziehen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung geht noch einen Schritt weiter und lässt sich wie folgt beschreiben: Wann immer Sie als Versicherter gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, Ihrem Beruf nachzugehen, leistet die BU-Versicherung. Der Zusammenhang zwischen den drei Versicherungen lässt sich somit folgendermaßen ausdrücken:

Insassen-Unfallversicherung = Unfälle im Auto
Unfallversicherung = Insassen-Unfallversicherung + sämtliche weiteren Unfälle
BU-Versicherung = Unfallversicherung + Insassen-Unfallversicherung + andere Gründe für Berufsunfähigkeit

Wenn Sie also bereits eine BU-Versicherung nutzen, brauchen Sie weder eine Unfallversicherung noch eine Insassen-Unfallversicherung, weil deren Risiken bereits mit abgedeckt werden. Natürlich ist die BU-Versicherung auch entsprechend teurer, aber die zusätzliche Investition lohnt sich sehr. So werden beispielsweise nur knapp 10% der Fälle von Berufsunfähigkeit durch Unfälle ausgelöst und ein noch kleinerer Teil betrifft wiederum ausschließlich Autounfälle. Warum sollten Sie also 80-120 Euro jährlich für eine Insassen-Unfallversicherung ausgeben, wenn Sie damit nur ein sehr geringes Risiko abdecken? Zwar wird nicht jeder Interessent bei einer BU-Versicherung aufgenommen (Risikoprüfung), aber eine allgemeine Unfallversicherung ist wirklich für jeden möglich und erschwinglich.

Fazit

Wie Sie sehen, ist die Insassen-Unfallversicherung heute wirklich nicht mehr zeitgemäß. Bei Verkehrsunfällen zahlt oftmals die Kfz Haftpflicht und für die wenigen Ausnahmen haben die meisten Versicherten eine Unfall- oder sogar BU-Versicherung. Diese sind zwar etwas teurer, decken aber auch wesentlich mehr Risikofälle ab und werden im normalen Leben sowieso gebraucht. Somit wird die Insassen-Unfallversicherung unnötig und stellt lediglich einen Kostentreiber dar!

© Kadmy – Fotolia.com


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