Reform der Lebensversicherung – was ändert sich für Versicherte?

Die große Reform der Lebensversicherung

Die Kapitallebensversicherung ist nach wie vor die beliebteste Form der privaten Altersvorsorge. Hierzulande gibt es ca. 88 Millionen abgeschlossene Kapitallebensversicherungen und damit mehr Verträge als Einwohner. Was auf den ersten Blick nach einer nicht enden wollenden Erfolgsgeschichte aussieht, hat in den letzten 1,5-2 Jahren jedoch erhebliche Risse bekommen. So haben die Versicherungsgesellschaften genauso wie die Privatanleger sehr stark unter dem aktuellen Zinstief zu leiden. Als Antwort auf diese Entwicklung ist nun im Bundestag eine Reform der Lebensversicherung verabschiedet worden, die unter anderem den Basiszins für Neuverträge senkt. Darüber hinaus sind jedoch auch Altverträge von den Regelungen betroffen. Im Folgenden möchten wir Ihnen zeigen, was sich genau ändert.

Welche Änderungen hat der Bundestag beschlossen?

Die Reform der Lebensversicherung sieht vor, dass der Garantiezins im Jahr 2015 von bisher 1,75% auf 1,25% absinkt. Bei diesem Zinssatz handelt es sich um die jährliche Rendite, die der Lebensversicherer dem Kunden garantieren muss. Künftige Verträge bieten also eine geringere sichere Rendite. Doch gibt es nicht nur Änderungen für Neukunden, sondern es bahnen sich durchaus auch Nachteile für Bestandskunden an. So soll die Hälfte der Bewertungsreserven, die bisher bei der Auszahlung an die Versicherten geflossen ist, künftig komplett beim Versicherer verbleiben. Solche Reserven entstehen, wenn in Niedrigzinsphasen die Kurse von alten Anleihen steigen. Im Gegenzug ist zwar geplant, die Versicherten künftig mit 90 statt wie bisher 75% an den Risikoüberschüssen zu beteiligen. Trotzdem dürften sich für Altverträge daraus Einbußen ergeben.

Die Änderungen im Überblick:

  • Der Garantiezinssatz für Neuverträge sinkt ab 2015 von 1,75% auf 1,25%
  • Bewertungsreserven werden nicht mehr an Versicherte ausgeschüttet
  • Die Beteiligung der Versicherten an Risikoüberschüssen wird von 75 auf 90% ansteigen

Transparenzprobleme nach wie vor nicht gelöst

Verbraucherschützer und auch die Opposition fordern schon seit Längerem, die Lebensversicherung endlich transparenter zu gestalten. So ist es nach wie vor nicht ersichtlich, wie hoch die Provisionen an die Vermittler ausfallen. Gerade in den ersten Jahren wird ein Großteil der Einzahlungsbeträge von den Provisionen und Gebühren ausgefressen. Es ist nun lediglich geplant, die sogenannten Effektivkosten anzugeben. Diese werden jedoch über die gesamte Laufzeit gestreckt und wirken deshalb wesentlich geringer, so dass es hier durchaus zu Verzerrungen kommen kann.

Der Garantiezins gibt nicht einmal die komplette garantierte Rendite an

Die Versicherten müssen künftig wohl noch mit deutlich weniger Rendite auskommen als der Garantiezins angibt. Dieser bezieht sich nämlich nur auf den Sparanteil der eingezahlten Prämien. Die Beträge für Provisionen und Gebühren müssen also zunächst abgezogen werden, so dass sich mitunter ein Garantiezins von 0,8 bis 0,5% ergeben kann.

Was bedeuten die Änderungen für die Versicherten?

Wenn Sie als Versicherter bereits eine Police abgeschlossen haben und diese beispielsweise für eine Riester- oder Rürup-Rente nutzen, müssen Sie sich bei einer künftigen Auszahlung auf Einbußen gefasst machen. Durch den Wegfall der Auszahlung von Bewertungsreserven sind gerade die Versicherten besonders betroffen, deren Vertrag in den nächsten Jahren ausläuft. Hier sind laut Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg Einbußen von bis zu 10% auf die Auszahlungssumme denkbar. Durch die etwas höhere Beteiligung an den Risikoüberschüssen könnte sich die Lage für Versicherte in der Zukunft minimal entspannen, aber unter dem Strich ist grundsätzlich eher mit einer Renditeverschlechterung bei der Kapitallebensversicherung zu rechnen. Die Folgen im Überblick:

  • Als Neukunde geringere garantierte Rendite
  • Versicherte mit bald auslaufenden Verträgen müssen besondere Einbußen in Kauf nehmen
  • Die höhere Beteiligung an den Risikoüberschüssen wird den Wegfall der Bewertungsreserven wahrscheinlich nicht komplett kompensieren können.

Was Sie als Versicherte nun tun können

Grundsätzlich ist die Reform der Lebensversicherung so angelegt, dass es keinen Vertrauensschutz für bereits bestehende Verträge gibt. Wenn Sie Ihre Lebensversicherung kündigen möchten, müssen Sie eine gewisse Kündigungsfrist einhalten, so dass für Sie ebenfalls schon die neuen Regelungen gelten. Darüber hinaus würden Sie in einem solchen Fall auf die Schlussüberschüsse verzichten und die Auszahlung läge wieder deutlich niedriger. Sollten Sie dieser Geldanlage den Rücken kehren wollen, stellt die beste Lösung eine Beitragsfreistellung dar. Der Vertrag läuft dann bis zur Auszahlung weiter, ohne dass Sie weiterhin Beiträge einzahlen. Dementsprechend erhalten Sie eine deutlich niedrigere Auszahlung und müssen unter Umständen trotzdem Verwaltungskosten aufbringen.

Fazit

Mit der Reform der Lebensversicherung möchte die Bundesregierung die Versicherungsunternehmen stützen, die einen großen Teil der Versicherungsbeiträge in Staatsanleihen investieren. Da diese jedoch kaum noch Zinserträge erwirtschaften, würden einige Versicherungen bei Auszahlungen von Altverträgen und dem Auslaufen alter Anleihen in eine finanzielle Schieflage. Dies soll durch die Reform verhindert werden, indem die Kosten den Versicherten aufgebürdet werden. Zukünftige Verträge bringen eine deutlich geringere garantierte Rendite mit sich und selbst Bestandkunden müssen Einbußen hinnehmen.

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