Greift eine Reiserücktrittversicherung auch bei Schwangerschaft

greift die Reiserücktrittsversicherung bei Schwangerschaft?

Die Reiserücktrittsversicherung, auch Reiserücktrittskostenversicherung genannt, ist eine von mehreren Versicherungen, die insgesamt als Reiseversicherungen bezeichnet werden. Es sind Versicherungen, die anlässlich einer oder mehrerer Reisen abgeschlossen werden. Mit der Reiserücktrittsversicherung soll die Bezahlung von Stornokosten verhindert werden, die bei Nichtantritt der Reise fällig werden. Die Reisebuchung ist ein Vertragsabschluss. Damit verbunden ist die Bezahlung des Reisepreises; abhängig vom Vertrag in einer Gesamtsumme oder in mehreren Teilbeträgen. Bei Reiseantritt ist in aller Regel der Reisepreis in voller Höhe bezahlt. Wenn die Reise aus nicht vorhersehbaren Gründen nicht angetreten werden kann, dann besteht gegen den Reiseveranstalter kein Rechtsanspruch auf Erstattung der Reisekosten. Der hält seinen Vertrag ein, der Reisende nicht. Er wird in dem Sinne vertragsbrüchig. Der ihm dadurch entstehende finanzielle Schaden sind die bereits gezahlten Reisekosten. Mit einer Reiserücktrittsversicherung lassen sich die in der Versicherungspolice im Einzelnen genannten Fälle beziehungsweise Risiken versichern. Sind die der Grund für den Nichtantritt der gebuchten Reise, ist das für die Versicherung ein Leistungsfall. Die Reiserücktrittsversicherung zahlt dem Versicherungsnehmer die versicherte Summe, so dass der im besten Falle mit plus/minus null aus der stornierten Reise herauskommt. Für weibliche Reisende stellt sich häufig die Frage, ob das auch bei Schwangerschaft der Fall sein kann.

Die Antwort lautet so wie einer der typischen Politsketche von Radio-Eriwan in den sozialistischen Ländern des vergangenen Jahrhunderts: Im Prinzip ja, aber …!

Schwangerschaft ist keine Krankheit, sondern die Zeitspanne, in der die befruchtete Eizelle im Körper der Schwangeren, der werdenden Mutter, zum geburtsfähigen Kind reift. Insofern entfällt das Versicherungsrisiko Krankheit als Leistungsfall für die Reiserücktrittsversicherung. Im konkreten Fall kommt es maßgeblich auf den behandelnden Frauenarzt sowie auf eine Goodwill des Versicherers an. Entscheidend ist die Formulierung im Versicherungsvertrag. Hier wird in den meisten Fällen darauf abgestellt, dass während einer Schwangerschaft dann ein Versicherungsschutz besteht, wenn der Reiseantritt wegen der Schwangerschaft weder möglich noch zumutbar ist.

Wie bei allen Versicherungen wird auch in dieser Situation erwartet, dass der Versicherungsnehmer aktiv mitarbeitet. Damit ist gemeint, dass er seinen Vertragspartner, also die Versicherungsgesellschaft, frühestmöglich über alles Relevante informiert. Ist die Schwangerschaft zum Zeitpunkt der Reise bekannt, sollte das bei der Unterzeichnung sowohl des Reise- als auch des Versicherungsvertrages gesagt werden. Beide Vertragspartner erwarten, dass sie frühzeitig darüber informiert werden. Sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit ungeachtet dessen den Vertrag abschließen. Der Reisende hat sich seinerseits mit dieser Information kooperativ verhalten.

Wenn die Schwangerschaft nach Reisebuchung bekannt wird und sich daraus die Entscheidung ergibt, die Reise zu stornieren, dann muss das möglichst früh, also zeitnah geschehen. Der Reiseveranstalter hat dann die Möglichkeit, diese stornierte Reise erneut in den Verkauf zu geben, beispielsweise als Last-Minute-Angebot. Wie der sich bei einem Zweitverkauf der Reise mit dem Versicherer einigt, erfährt der Versicherungsnehmer nicht. Er bekommt unter Vorlage eines mit der notwendigen Begründung versehenen ärztlichen Attestes den versicherten Betrag erstattet. Seine Pflicht als Vertragspartner ist es, unverzüglich, also ohne schuldhaftes Verzögern, zu reagieren. Anderenfalls kann der Versicherer seinerseits einen Schadensersatz geltend machen, indem die vertragliche Versicherungsleistung gekürzt wird. Dagegen muss sich der Versicherte rechtlich wehren, was in der Regel zu einem Gerichtsverfahren führt. Das kostet Geld und endet vielfach mit einem Vergleich, der seinerseits Geld kostet.

Der Einzelfall ist letztendlich ausschlaggebend, ob die Reiserücktrittsversicherung problemlos, teilweise oder zunächst einmal gar nicht zahlt. Fällt der errechnete Entbindungstermin in die Reisezeit, ist es für den Frauenarzt sehr einfach, diese Tatsache zu attestieren. Der Versicherer wird keine Probleme machen. Die gibt es, wenn es sich um eine ärztlich bestätigte Risikoschwangerschaft handelt. Das ist der Versicherungsnehmerin bekannt, und darüber muss sie ihre Vertragspartner Reise- sowie Versicherungsgesellschaft informieren.

Die Reiserücktrittsversicherung wird vorwiegend deswegen abgeschlossen, weil die hohen Reiseausgaben im vier- oder fünfstelligen Eurobereich abgesichert, sprich versichert werden sollen. Die Wochen und Monate der Schwangerschaft sind eine wechselhafte und problembehaftete Phase. Der Kontakt zum Frauenarzt ist regelmäßig und dauerhaft. In diese Überlegungen muss auch die gebuchte Reise einbezogen werden. Je länger mit einer möglichen Reisestornierung gewartet wird, umso größer ist das Risiko für Mutter und Kind einerseits sowie für den Leistungsfall der Versicherung andererseits. Im Einzelfall kann es besser sein, frühestmöglich eine klare Situation zu schaffen.

Der Vollständigkeit halber sollte für die Reiserücktrittsversicherung bei Schwangerschaft sichergestellt sein, dass sie auch für den Partner gilt. Hier muss wieder genau im Versicherungsvertrag nachgelesen werden, ob Versicherungsgeber und Versicherungsnehmer unter dem Begriff Partner dasselbe verstehen.

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