Safe App | Next BIG Thing der Versicherungsbranche?

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Versicherungen mit einem Klick verwalten, den richtigen Ansprechpartner finden und mit einem Wisch den Versicherungsvertrag auf den aktuellen Tarif umstellen. Die App „Safe“ des Heidelberger Start-ups Plan Forward GmbH verspricht all das. Durch eine Kooperation mit mehr als 100 Versicherungsgesellschaften und einer einfach bedienbaren App sollen Kunden zukünftig auf Aktenordner mit Versicherungsverträgen verzichten können. „Safe“ verwaltet alle Verträge in einer Oberfläche. Als „One-Stop-Lösung“ angelegt, sollen Kontakte zu Versicherungsvertretern oder Versicherungsmaklern unnötig werden. Zusätzlich bietet das Heidelberger Unternehmen einen persönlichen Support und berät Kunden über die App und telefonisch. „Safe“ wird derzeit für Android und iOS angeboten, andere Betriebssysteme sind bisher nicht angekündigt und auch nicht verfügbar.

Bisher gibt es nur einen sehr eingeschränkten Zugriff auf die App selbst. Interessenten können sich auf der Homepage unter Angabe ihrer E-Mail-Adresse registrieren und werden informiert, sobald die App verfügbar ist. Laut eigener Aussage werden derzeit nur begrenzt neue Kunden zugelassen, da das Kunden- und Medieninteresse so hoch sei. Wer jedoch die App mittels eines speziellen Links weiter bewirbt, erhalte einen schnelleren Zugriff und könne in der Warteliste weiter vorrücken. Eine Info, wie viele Interessenten pro Tag freigeschaltet werden und wie lange eine Aktivierung in der Regel dauert, gibt es leider nicht.

Das System hinter „Safe“ – viele Details bleiben ungeklärt

Die Plan Forward GmbH ist als ganz normaler Versicherungsmakler in Deutschland registriert. Kunden, die Ihre Verträge über die App verwalten möchten, willigen einer Bestandsübertragung des jeweiligen Vertrags in den Bestand der Plan Forward GmbH ein. Die App und die Servicedienstleistungen sollen aus Bestandsprovisionen finanziert werden. Pro Vertrag werden durchschnittlich 10 € bis 20 € jährlich von den Versicherungsgesellschaften für die Verwaltung bei einem Versicherungsmakler bezahlt.

Nicht alle Versicherer arbeiten mit Versicherungsmaklern zusammen. Ob auch Verträge durch „Safe“ verwaltet werden können, für die das Unternehmen keine Vergütung von den Gesellschaften erhält, ist derzeit noch unklar. Eine umfassende Betreuung des Vertrags ist ohne eine Vereinbarung mit der Gesellschaft in der Praxis schwierig. Durch die Tätigkeit als Versicherungsmakler haftet die Plan Forward GmbH für sämtliche Beratungsleistungen, die über die App und den eigenen Expertenservice erbracht werden. Dadurch können Kunden, die über die App nicht richtig beraten worden sind, Ansprüche gegenüber dem Unternehmen geltend machen. Das kann im Vergleich zu anderen bestehenden Apps und Programmen ein Vorteil für den Kunden sein, andererseits ist die Durchsetzung der Ansprüche gegenüber Versicherungsmaklern meist schwierig.

Nach den Angaben auf der Internetseite lässt sich die Nutzung der App jederzeit beenden, es gibt keine Kündigungsfristen. Unklar ist aber, was danach mit den Verträgen passiert. Da es sich bei Plan Forward um einen Versicherungsmakler handelt, bleiben die Versicherungsverträge des Kunden vermutlich bis auf weiteres im Bestand von Plan Forward. Die Kunden müssen sich dann aktiv einen anderen Versicherungsmakler suchen, der die Verträge in seinen Bestand überträgt oder alternativ selbst mit den Versicherungsunternehmen Kontakt aufnehmen, damit die Verträge wieder direkt bei den Versicherern geführt werden. Zudem sollen fast alle Vorgänge ohne „echte“ Unterschrift durchgeführt werden. Bei den meisten Versicherungsunternehmen ist zumindest für die Übertragung eines Vertrags in einen anderen Bestand eine Kundenunterschrift nötig. Laut einem Interview auf gruenderszene.de befindet sich „Safe“ „an der Grenze zwischen Grün- und Grauzone“, rechtlich sei der Ansatz aber „zu hundert Prozent sauber“. Das Unternehmen rechnet bereits mit Klagen und arbeitet deswegen schon jetzt eng mit Rechtsanwälten zusammen.

Der Ansatz einer persönlichen Betreuung für jeden Kunden ist auf jeden Fall positiv, aber: Eine hohe Beratungsqualität ist personalintensiv. Wenn die Kundenzahl schnell zunimmt, ist es wahrscheinlich, dass die Beratungsqualität zunächst abnimmt, weil es nicht genügend Ansprechpartner gibt. Das ist wohl einer der Gründe, warum die App derzeit noch nicht frei herunterladbar ist und Interessenten zunächst auf einer Warteliste landen, um die App später installieren zu können. Exakte Informationen zur Servicequalität lassen sich also erst treffen, wenn die App frei verfügbar ist. Auf der Seite selbst gibt es derzeit lediglich einen Auszug aus einer In-App-Bewertung, die lediglich die App bewertet, aber nicht auf den Support durch Plan Forward eingeht.

Datenschutz bei „Safe“

Das Unternehmen garantiert eine sehr hohe Datensicherheit. Die eingegebenen Daten seien „auf Banklevel“ verschlüsselt, weitere Details werden nicht genannt. Der Vorstandsvorsitzende des Bunds der Versicherten, Axel Kleinlein, warnt vor möglichen Sicherheitslecks. In die App würden „hochsensible Kundendaten hochgeladen“, die bei einem erfolgreichen Hackerangriff schnell „in falsche Hände“ geraten könnten. Die Daten unterliegen dem deutschen Datenschutzrecht, unklar ist bisher, wo die Kundendaten tatsächlich gespeichert werden. Der Server der Homepage des Unternehmens steht in Frankreich.

„Safe“ – das Uber der Versicherungsbranche?

Christian Wiens, einer der beiden Gründer hinter „Safe“ sieht in dem Angebot Parallelen zum Taxidienst Uber, der mit einem disruptiven Geschäftsmodell für ordentlich Unruhe in der Taxibranche sorgt. Nach Angaben Wiens gäbe es bereits jetzt erheblichen Widerstand aus den Reihen der Versicherungsmakler und Vertreter, die ihr Geschäftsmodell durch „Safe“ bedroht sehen.

Eigentlich ist die Idee hinter „Safe“ aber gar nicht so neu. Bereits Anfang 2013 gab es einen Versuch mit der App „Mobinco“, die ähnliche Features bieten sollte. Mittlerweile ist die App nicht mehr verfügbar und das dahinterstehende System wurde in insinno.x-sales umbenannt. Es dient nun zur Verwaltung von Versicherungen bei einigen wenigen Anbietern und wird als Lösung für Versicherungsunternehmen angeboten, die einen Teil ihrer Produkte über einen zusätzlichen Online-Kanal vertreiben wollen. Weitere Angebote gibt es zum Beispiel auf lifebutler.de. Mit der App lassen sich sämtliche Vertragsdaten rund um die eigenen Finanzen verwalten, ohne dass die Verträge dafür in die Verwaltung des Anbieters übertragen werden.

Neben versicherungsunabhängigen Lösungen bieten auch viele Versicherer Apps an, mit denen sich alle Verträge oder zumindest Verträge in einigen Sparten online verwalten lassen. Dabei sind Kunden aber natürlich auf die Verträge des jeweiligen Anbieters beschränkt und müssen gegebenenfalls mehrere Apps installieren, um einen Großteil der Verträge zu verwalten. Das ist nicht unbedingt komfortabel und bei vielen Versicherern sieht das Angebot im Onlinebereich noch immer sehr schlecht aus. Direktversicherer, die ohne ein eigenes Vertriebsnetz um Kunden werben, sind meistens weiter als Serviceversicherer, die einen eigenen Außendienst für den Vertrieb nutzen.

Plan Forward – der Versicherungsmakler hinter „Safe“

Neben der App „Safe“ besitzt die Plan Forward GmbH noch ein zweites Standbein: den direkten Vertrieb von Versicherungen an Endkunden. Das Unternehmen will anders als alle anderen Versicherungsmakler sein und nicht „provisionsgesteuert“ verkaufen. Die Berater erhalten dort eine Vergütung in Abhängigkeit von der Kundenzufriedenheit. Praktisch erhalten die Berater dort also eine zusätzliche Vergütung zum eigenen Grundgehalt, wenn der Kunde mit der Beratung zufrieden war. Dennoch erhält die Plan Forward GmbH die üblichen Provisionen vom jeweiligen Versicherungsunternehmen.

Das grundsätzliche Prinzip ist also exakt dasselbe wie bei „konventionellen“ Versicherungsmaklern, der Unterschied liegt nur in der Vergütung der Angestellten. Ob der Verkaufsdruck dadurch wirklich geringer ist, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Kundenerfahrungen mit diesem Konzept gibt es online derzeit kaum. Plan Forward ist mit einem Gütesiegel von ausgezeichnet.org versehen, die dort vorhandenen 30 Bewertungen stammen allerdings alle aus November und Dezember 2012, aktuellere Erfahrungswerte von Kunden sind dort nicht gelistet. Die Glaubwürdigkeit der angegebenen Bewertungen darf angezweifelt werden, da das Unternehmen laut Handelsregisterauszug erst am 14.11.2013 in das Handelregister eingetragen wurde.

Ohne Versicherungsvertreter geht es wohl auch weiterhin nicht

Versicherungsverträge sind in vielen Sparten sehr beratungsintensiv. Während einfache Sachversicherungen wie Kfz- oder Haftpflichtverträge durchaus im Internet abgeschlossen werden können, ist bei Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen der Rat eines Fachmanns immer sinnvoll. Die Verträge werden für einen langen Zeitraum abgeschlossen und die entscheidenden Unterschiede zwischen den einzelnen Versicherungsgesellschaften sind in der Regel im Kleingedruckten versteckt. Da über „Safe“ bisher keine persönliche Betreuung angeboten wird, ist der Abschluss von diesen Verträgen über die App eher nicht empfehlenswert.

Bei Schadenfällen ist eine rein telefonische Betreuung auch nicht immer sinnvoll. Insbesondere bei großen Schadenfällen macht es Sinn, neben dem Gutachter der Versicherungsgesellschaft noch einen weiteren Versicherungsfachmann dabei zu haben, um die Details zu klären und eventuell eine bessere Entschädigung zu erreichen. Das wird mit einem Telefonat nie in dem Maße funktionieren können.

„Safe“ – ein erstes Fazit

Bis jetzt sind noch nicht sehr viele Informationen zur App verfügbar, der erste Eindruck ist gut, es bleibt aber abzuwarten, ob und wie sich die App in der täglichen Nutzung bewähren kann. Das Konzept an sich ist innovativ, aber auch nicht neu, da es bereits mehrere Anbieter mit ähnlichen Lösungen gibt, die auch ohne reale Bestandsübertragung auskommen. Kunden können bei anderen Anbietern weiterhin mit dem bekannten Ansprechpartner zusammenarbeiten, bei „Safe“ ist das eher unwahrscheinlich. Das hinter der App stehende Unternehmen ist schon seit einigen Monaten als Versicherungsmakler tätig, die Kundenbewertungen, die vermutlich vor Gründung des Unternehmens abgegeben worden sind, sprechen aber nicht unbedingt für die Seriosität des Betriebs. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, wie viel Substanz hinter der App steckt und ob die Versprechungen des Unternehmens tatsächlich eingehalten werden.

Kunden, die die neue App bereits ausprobieren möchten, sollten skeptisch sein und vielleicht nicht direkt sämtliche Versicherungen in die App übertragen, gegebenenfalls ist der Weg zurück gar nicht so einfach, wie es die Internetseite suggeriert. Der Vergleich mit Uber ist in jedem Fall vollkommen übertrieben. Versicherungsmakler und Versicherungsvertreter müssen sich bis auf weiteres wohl keine Gedanken um die eigene Zukunft machen, der neue Konkurrent ist bis jetzt erster Linie ein Versicherungsmakler-Unternehmen mit einer hübschen App, mehr aber auch (noch) nicht.


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