Wie übernehme ich die Schadenfreiheitsklasse eines Familienmitglieds?

SF-Klasse von der Oma übernehmen

Der Schadensfreiheitsrabatt, im täglichen Umgang als SFR abgekürzt, hat seinen Ursprung in der Kfz-Versicherung, die auch als Autoversicherung bezeichnet wird. Auf die von der Kfz-Versicherung kalkulierte Grund- oder Basisprämie werden Rabatte als Preisnachlass gewährt. Sie richten sich nach der Anzahl von unfallfreien Versicherungsjahren. Unfallfrei bedeutet in diesem Sinne nicht unbedingt ohne jeden Unfall; vielmehr ist damit die Schadensregulierung eines Unfalles gemeint. Im Einzelfall kann es bei einem Unfall mit geringem Sachschaden unterm Strich finanziell günstiger sein, den Schaden zu bezahlen und auf eine Schadensregulierung durch die Kfz-Versicherung zu verzichten als umgekehrt. Die Kfz-Versicherung umfasst die drei Einzelversicherungen Kfz-Haftpflicht-, Kfz-Teilkasko– und Kfz-Vollkaskoversicherung. Bei der Vollkasko– ist die Teilkaskoversicherung automatisch mit eingeschlossen. Das SFR-System gilt für die Kfz-Haftpflicht- und die Vollkasko-, nicht jedoch für die Teilkaskoversicherung. Seit Mitte der 1990er Jahre sind die Beitragssätze für die einzelnen Schadensfreiheitsklassen nicht mehr einheitlich. Es ist also durchaus lohnenswert, bei einem Kfz-Versicherungsvergleich auch diesen Aspekt zu berücksichtigen.

Mit einem hohen SFR lässt sich die Kfz-Versicherung deutlich reduzieren. Nach Ablauf von fünfundzwanzig unfallfreien Versicherungsjahren ist mit dem SFR 25 die momentan höchste Rabattstufe erreicht. Die Kfz-Versicherung kostet jetzt nur noch ein Viertel des jeweiligen Grundpreises. Auch aus Wettbewerbsgründen sind die Kfz-Versicherer innovativ und entwickeln immer wieder neue Tarife, Verbesserungen oder Vergünstigungen. Die Zahl der Versicherungsnehmer als Bestandskunden soll gesteigert werden. In der Regel ist die Kfz-Versicherung ein Jahresvertrag, meistens identisch mit dem Kalenderjahr. Rabattschutz, Rabattretter oder der Rabattrückkauf im Anschluss an einen bereits regulierten Schadensfall sind Werbeargumente, die von der einen Kfz-Versicherung so, von der nächsten anders angeboten werden. In allen Fällen geht es um die Neukundengewinnung einerseits und um eine Kundenbindung andererseits. Zu diesen Angeboten gehört auch die SFR-Übertragung aus Verträgen Dritter, beispielsweise von Familienmitgliedern auf Familienmitglieder.

Personengebundene SFR

Von seinem Ursprung und originären Sinn her ist der SFR personengebunden. Der Führerscheininhaber hat sich mit dem jeweiligen Fahrzeug, das auf seinen Namen zugelassen wird, über Jahre hinweg einen SFR erarbeitet, sozusagen unfallfrei erfahren. Das können durchaus mehrere Fahrzeuge bei unterschiedlichen Kfz-Versicherungen gewesen sein. Der einmal erworbene Schadensfreiheitsrabatt bleibt auch beim Kfz-Versicherungswechsel erhalten. Er wird mitgenommen, ebenso wie die Altersrückstellungen beim Tarif- oder Versicherungswechsel in der privaten Krankenversicherung auch. Über mehrere Jahrzehnte hinweg kann sich so die Einstufung in eine der höchsten, also preisgünstigsten SFR-Stufen ergeben; auch dann, wenn zwischendurch aufgrund der einen oder anderen Schadensregulierung hier und da eine Rückstufung notwendig war. Die älteste Generation in der Familie fährt erfahrungsgemäß wenig, zurückhaltend und überwiegend unfallfrei. Irgendwann kommt dann alters- und gesundheitsbedingt die Selbsteinsicht, auf das Autofahren zu verzichten Das Auto wird abgemeldet, die Kfz-Versicherung gekündigt. Das ist eine Situation, die für die Generation der Kinder und Enkel im Familienverbund besonders interessant wird.

Die Bewertung obliegt der Versicherung

Unter bestimmten Gegebenheiten ist es möglich, dass zum Beispiel die Generation 70plus den erworbenen SFR an Familienangehörige weitergibt. Das geht nicht Eins zu Eins und wird im Einzelfall geprüft, von vielen Kfz-Versicherungen jedoch ermöglicht. Als eine Grundvoraussetzung muss der SFR-Empfänger das Fahrzeug des SFR-Gebers über einen längeren Zeitraum bereits regelmäßig gefahren haben. Wie das geprüft und bewertet wird, obliegt der Beurteilung des Kfz-Versicherers. Als angemessener Zeitraum werden etwa drei Jahre angesehen. Bei der Höhe der SFR-Übertragung, also bei der Berechnung der unfallfreien Versicherungsjahre, ist entscheidend, seit wie viel Jahren der SFR-Empfänger ein Führerscheininhaber ist. Dieser Zeitraum begrenzt die übertragbaren SFR-Jahre. Kurz gesagt: Es können maximal so viel SFR-Jahre übertragen werden, wie der SFR-Empfänger seinen Führerschein hat. Sind es mehr SFR-Jahre als Führerscheinjahre, ist der Überhang an unfallfreien Versicherungsjahren nicht nutzbar. Eine solche SFR-Übertragung wird dokumentiert und hat zur Folge, dass der SFR-Geber seinerseits den betreffenden SFR verliert. Sollte er es sich zu einem späteren Zeitpunkt anders überlegen und doch wieder ein Fahrzeug versichern, dann würde er dementsprechend rückgestuft. Das ist in sich logisch und schlüssig. Der SFR wird wie ein immaterieller Wert per Vertrag vom einen auf den anderen übertragen. Eine Rückabwicklung ist nicht möglich. Die Situation ist mit einer Kündigung möglich, die, wenn sie einmal wirksam ist, auch nicht zurückgenommen werden kann. Insofern sollte eine SFR-Abgabe an Kinder oder Enkel wohl durchdacht und überlegt sein.

Auch an Angehörige ist die Weitergabe möglich

Auch nach dem Ableben des Kfz-Halters ist eine Übertragung seines SFR auf einen nahen Angehörigen wie ein Familienmitglied möglich. Als Nachweis dient die Sterbeurkunde. Für die SFR-Weitergabe gelten Fristen, die von den Kfz-Versicherungen unterschiedlich gehandhabt werden. Empfehlenswert ist in diesem Falle eine direkte Kontaktaufnahme mit dem Kfz-Versicherer. Der Schadensfreiheitsrabatt kann mit einem Wirtschaftsgut verglichen werden. Wenn der Mitarbeiter im Unternehmen ein Dienstfahrzeug zur privaten und beruflichen Nutzung überlassen bekommt, dann kann er mit dem Arbeitgeber vereinbaren, dass dem der SFR überlassen wird. Der Arbeitgeber profitiert in diesem Falle von den bisherigen unfallfreien Versicherungsjahren seines Arbeitnehmers. Gleichzeitig muss auch daran gedacht werden abzusprechen, dass diese SFR-Übertragung mit der Rückgabe des Dienstfahrzeuges endet. Die Berechtigung an dem Schadensfreiheitsrabatt darf dadurch nicht verloren gehen, sie muss dem Mitarbeiter als Person erhalten bleiben.

Die SFR-Übernahme erfolgt für jede Kfz-Versicherung einzeln, also für die Kfz-Haftpflicht- sowie für die Kfz-Vollkaskoversicherung getrennt. Anhand der Vorversicherungsjahre können sich für die beiden Autoversicherungen unterschiedliche SFR ergeben. Der selbstverschuldete Unfall mit Schaden am eigenen Pkw wird von der Vollkaskoversicherung reguliert, während die Kfz-Haftpflichtversicherung davon nicht tangiert wird. Dort wird die Schadensfreiheit fortgesetzt. Bei einem Kfz-Versicherungswechsel muss darauf geachtet werden, dass der zukünftige Versicherer eine SFR-Übertragung ermöglicht. Die Voraussetzungen dafür sollten im Detail geprüft werden. Der Kfz-Halter muss wissen, dass im gegebenen Falle nur das geleistet wird, was im Vertrag steht und vereinbart ist. Umgekehrt gesagt: Was nicht drinsteht, ist auch kein Leistungsfall. Mit einer sogenannten Angleichungsklausel sind Kfz-Versicherer grundsätzlich auch dazu bereit, die SFR-Klassen der beiden Versicherungen einander anzugleichen. Für die Übertragung eines SFR innerhalb des Familienverbundes ist eine fachliche Beratung erforderlich. Der Versicherte sollte sich vorab auf Onlineportalen sachkundig machen. Ohne ein persönliches Gespräch oder einen Telefonsupport ist ein solcher Übertragungsvertrag kaum oder gar nicht abzuwickeln. Beide Seiten müssen wissen, dass mit der Unterschrift von SFR-Geber und SFR-Nehmer ein Vertrag abgeschlossen wird. An den sind sie sowie der Kfz-Versicherer gebunden. Andererseits sollte auf eine Rabattübertragung innerhalb der Familie nicht verzichtet werden. Das einmal erworbene Recht eines Schadensfreiheitsrabattes ist im wahrsten Sinne des Wortes Geld wert, das der Familie erhalten bleiben sollte.


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