Vermögensschadenhaftpflicht

Neue Vertraege durch Hochwasser.

Inhalt dieses Artikels

    Ein Vermögensschaden ist ein Schaden, der kein Personenschaden und auch kein Sachschaden ist. Vermögensschäden sind Schäden, durch die entweder finanzielle Nachteile oder entgangene finanzielle Vorteile bei Kunden entstehen, die entweder falsch oder gar nicht beraten wurden. Aus dieser Tatsache ergibt sich dann auch, wer für Vermögensschäden verantwortlich sein kann und wer deswegen zur Absicherung gegen Forderungen Dritter eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung unbedingt braucht.

    Alle Personen oder Unternehmen, die durch Beratungsleistungen in die wirtschaftliche Situation ihrer Klienten eingreifen, dazu gehören zum Beispiel Rechtsanwälte, Steuerberater und auch Notare, brauchen zwingend eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, um sich vor Forderungen Dritter, denen möglicherweise ein Schaden zugefügt wurde, entsprechend zu schützen. Aber auch Unternehmen, wie Presseagenturen, Zeitungsverlage oder Werbeagenturen sowie Institutionen, die für Kunden Abrechnungen erstellen wie zum Beispiel Hausverwaltungen oder Handwerkerinnungen und Kammern, sollten eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung haben. Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist eindeutig geregelt, dass Schäden, die einem Dritten zugefügt werden, ersetzt werden müssen. Das heißt, besagte Unternehmen haften für Schäden, die sie selbst oder ihre Mitarbeiter verschuldet haben und das immer ohne Begrenzung nach oben.

    1. Welche Leistungen erbringt die Vermögensschadenhaftpflicht

    Der Versicherer tritt im Schadenfall an die Stelle des Versicherten und nimmt die Haftung damit auf sich. Dabei prüft das Versicherungsunternehmen grundsätzlich zuerst die Frage, ob eine Verpflichtung zum Schadenersatz überhaupt besteht. Besteht der Schadenersatzanspruch zu Recht, wird geprüft, in welcher Höhe Schadenersatz zu leisten ist. Der Versicherer ersetzt den entstandenen Schaden in Geld, wenn der Anspruch zu Recht besteht und er wehrt unberechtigte oder überhöhte Schadenersatzansprüche ab. Wenn es dabei zu einem Rechtsstreit kommt, trägt der Versicherer auch die Prozesskosten und führt für den Beklagten den gesamten Prozess. Damit ist die Vermögensschadenhaftpflicht nicht nur einfach eine Versicherung, die berechtigte Haftpflichtschäden am Vermögen Dritter reguliert, sondern gleichzeitig auch eine Art Rechtsschutzversicherung, weil der Versicherer zu Abwehr von Schadensersatzansprüchen auf seine Kosten und sein Risiko auch Prozesse vor Gericht führt.

    2. Wer ist über die Vermögensschadenhaftpflicht versichert

    Außer dem Versicherungsnehmer sind auch die sonst in dem Unternehmen beschäftigten Mitarbeiter, die bei Ausübung ihrer Tätigkeit möglicherweise Dritte schädigen könnten, in den Schutz durch die Versicherung einbezogen. Wenn es der Versicherungsnehmer wünscht, können auch freie Mitarbeiter und/oder auf Honorarbasis tätige Kräfte mitversichert werden.

    3. Welche Art Vermögensschäden über die Vermögensschadenhaftpflicht versichert sind

    Versicherungsschutz besteht grundsätzlich für Vermögensschäden, die durch den Versicherten dritten Personen zufügt werden, wobei Personen- oder Sachschäden grundsätzlich ausgenommen sind. Um diese extra abzusichern, benötigt man eine zusätzlich eine Betriebshaftpflichtversicherung.

    4. Wann wird ein Vermögensschaden als Schaden bewertet

    Anders, als bei der Betriebshaftpflichtversicherung, bei der ein Schadenereignis als der Moment gilt, wo der Schadenfall eingetreten ist (Ereignistheorie), ist bei der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung der Zeitpunkt maßgeblich, an dem der Verstoß stattgefunden hat. Das ist dann aber unabhängig davon, wann dieser Verstoß dann auch tatsächlich zu einem Vermögensschaden führt.

    Wenn zum Beispiel ein Rechtsanwalt im Auftrag seines Mandanten zum Zeitpunkt x einen Vertrag abschließt, sich dann aber erst viele Jahre später herausstellt, dass wegen eines vom Anwalt verschuldeten Formfehlers die aus dem Vertrag erwartete Geldleistung nicht wie erwartet kommt, dann wäre der Schaden in dem Fall nicht erst eingetreten, als die Geldleistung nicht kam, sondern der Schadenfall ist bereits eingetreten, als der Vertrag vonseiten des Anwalts fehlerhaft aufgesetzt wurde.

    Deswegen ist es bei der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung so, dass der Versicherungsnehmer die Möglichkeit hat, sich gegen einen einmaligen Beitrag für eine bestimmte Zeit auch rückwärts zu versichern. Somit hat man die Gewissheit, mögliche Fehler aus der Vergangenheit, die noch nicht entdeckt wurden, trotzdem mitzuversichern.

    5. Was in der Vermögensschadenhaftpflicht nicht versichert ist

    Grundsätzlich versichert die Vermögensschadenhaftpflicht nicht alles. Zu den wichtigen Ausschlüssen gehören zum Beispiel Schäden, die im Ausland eintreten und dann auch vor einem Gericht im Ausland geltend gemacht werden. Nicht versichert sind auch Vermögensschäden, die aus der Nichterfüllung von Verträgen entstehen wie zum Beispiel bei Wandlungen oder Minderungen. Des Weiteren sind auch nicht versichert Schäden, die aus der Überschreitung von Kostenvoranschlägen resultieren. Schäden aus der Vermittlung von Geld- oder Grundstücksgeschäften sind ebenfalls nicht über die Vermögensschadenhaftpflicht abgedeckt. Darüber hinaus sind Schäden von der Haftpflichtversicherung ausgeschlossen, die unter Vorsatz herbeigeführt werden. Wird hingegen nur grob fahrlässig gehandelt, ist der daraus entstandene Schaden wieder über die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung abgesichert.

    6. Die Deckungssummen bei der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung

    Nach dem BGB muss der Schädiger für alle Schäden, die er verursacht hat, unbegrenzt haften. Aber aufgrund des hohen Schadenpotenzials ist diese spezielle Haftpflichtversicherung nicht billig. Die Deckung beginnt bei 50.000 Euro und kann bei Bedarf bis auf zehn Millionen Euro erweitert werden, wenn man bereit ist, entsprechend hohe Versicherungsbeiträge zu zahlen.

    7. Wenn sich bei Versicherten etwas ändert

    Schon zu Versicherungsbeginn muss die Versicherung sehr genau über das Tätigkeitsfeld im Unternehmen informiert werden. Wenn bei bestehendem Versicherungsvertrag weitere Tätigkeitsfelder erschlossen werden, ist die Versicherung unverzüglich in Kenntnis zu setzen, da diese nicht automatisch mitversichert sind. Wenn im Unternehmen neue Mitarbeiter eingestellt werden, reicht es jedoch, wenn die entsprechende Information in der obligatorischen Jahresmeldung weitergegeben wird.

    8. Rechtsanwälte und Steuerberater müssen die Vermögensschadenhaftpflicht abschließen

    Während eine Reihe von Unternehmern ganz frei entscheiden können, ob sie eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung abschließen oder nicht, sind Rechtsanwälte und Steuerberater verpflichtet, eine solche Haftpflichtversicherung abzuschließen. Das Bestehen einer Vermögensschadenhaftpflicht muss auch der jeweiligen Kammer gegenüber nachgewiesen werden, um überhaupt eine Zulassung als Anwalt oder Steuerberater zu bekommen. Die Mindestdeckungssumme beträgt hier 250.00 Euro, wobei die Maximierung auf das Vierfache festgelegt ist. Das heißt, diese 250.000 Euro müssen für alle Schadenfälle in einem Versicherungsjahr viermal zur Verfügung stehen.

    Der Jahresbeitrag beträgt für Anwälte und Steuerberater, die allein arbeiten, circa 800 Euro. Berufsanfängern wird von einigen Versicherern im ersten Jahr manchmal auch ein Nachlass gewährt.

    Einige Versicherer haben für Sachverständige und Gutachter, die im Umweltbereich tätig sind, eine ganz spezielle Deckung entwickelt, bei der die klassische Betriebshaftpflicht und die Vermögensschadenhaftpflicht miteinander verbunden sind. Hier ist dann die Besonderheit, dass auch Folgerungen und Empfehlungen aus den erstatteten Gutachten versichert sind. Bei den klassischen Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen sind nur Fehler bei der Erfassung des Status quo versichert, aber nicht die Folgerungen daraus.

    Um eine möglichst günstige Vermögensschadenhaftpflichtversicherung abzuschließen, sollten die Angebote mehrerer Versicherer über das Portal besttarif.org miteinander verglichen werden, um letztlich eine Versicherung zum optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden.

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