Wohnriester

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    Als Wohnriester, das auch unter dem Namen „Eigenheimrente“ bekannt ist, wird eine spezielle Form der Altersvorsorge bezeichnet. Zusammengefasst fördert der Staat die Finanzierung des Eigentums an einer Immobilie. Darin besteht zugleich der wesentliche Unterschied zu einem klassischen Riester-Vertrag. Während dieser den Zweck verfolgt, sich durch monatliche Zahlungen eine Zusatzrente anzusparen, ist Wohnriester auf den Erwerb eines Hauses oder einer Eigentumswohnung gerichtet. Dennoch handelt es sich auch hierbei um eine spezielle Form der privaten Altersabsicherung, da sie das mietfreie Wohnen im Alter garantiert. Wohnriester wird seit November 2009 auf dem deutschen Markt angeboten. Zu den beiden Offerten zählen Bausparverträge sowie Immobiliendarlehen. Im Gegensatz zum klassischen Riester-System werden die Beiträge und Zulagen nicht auf ein separates Sparkonto eingezahlt, sondern sie dienen der Ratentilgung des Finanzierungsmodells. Der Vorteil besteht darin, dass die Zinsbelastung für den Sparer deutlich geringer ausfällt, und er im Ergebnis schneller schuldenfrei leben kann.

    1. Voraussetzungen für Wohnriester:

    Jeder Bürger, der in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist, hat einen Anspruch auf staatliche Förderungen in Form von Wohnriester. Dazu zählen insbesondere auch Beamte, Kindererziehende sowie Landwirte, die in der Alterssicherung pflichtversichert sind. Keinen Anspruch auf Wohnriester haben demgegenüber Selbständige und Berufsgruppen, die über ein Versorgungswerk bereits Altersvorsorge betreiben. Dazu zählen beispielsweise Ärzte oder Rechtsanwälte. Zahlt hingegen der Ehepartner in die gesetzliche Rentenversicherung ein, können auch diese Personengruppen von der Subventionierung durch Wohnriester profitieren. Zuletzt dürfen auch Menschen wohnriestern, die durch eine Erwerbsunfähigkeits- oder Dienstunfähigkeitsrente versorgt werden. Ihnen ist es jedoch versagt, einen sogenannten Riester-Fond abzuschließen.

    2. Förderungsberechtigte Immobilien:

    Wer sich für Wohnriester interessiert, sollte sich zunächst über die Bauten informieren, die staatlich gefördert werden. Allgemein darf das Kapital für eine „Wohnung“ genutzt werden, die zum einen finanziert und zum anderen selbst genutzt wird. Der Begriff „Wohnung“ ist jedoch derart unbestimmt, dass ein Blick ins Gesetz notwendig ist. In § 92 a EStG (Einkommensteuergesetz) werden die konkreten Voraussetzungen genannt. Aus der Norm ergibt sich, dass unter dem Begriff der „Wohnung“ sowohl die Eigentumswohnung als auch eine Wohneinheit in einem Mehrfamilienhaus subsummiert werden kann. Dies gilt unproblematisch auch für ein Haus, das gekauft oder dessen Bau in Planung gegeben wird. Grundvoraussetzung ist, dass der Riester-Sparer in der zu bewertenden Immobilie seinen Hauptwohnsitz bzw. Lebensmittelpunkt hat. Wohnriester kann neben dem Bau einer neuen bzw. dem Kauf einer gebrauchten Immobilie auch für einen Genossenschaftsanteil investiert werden. Allerdings gilt dies nur, wenn der Sparer in der Genossenschaftswohnung lebt. Viele Riester-Sparer werden das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (Az. C 269/07) begrüßt haben. Bis zu diesem Urteil war Wohnriester auf Immobilien beschränkt, die in Deutschland lagen. Das europäische Gericht hat diese Einschränkung aufgehoben. Sparer haben daher auch einen Anspruch auf staatliche Förderung, wenn die Objekte im Ausland liegen. Doch auch hier gilt der Grundsatz, dass die Auslandsimmobilie den Lebensmittelpunkt des Anspruchsberechtigten bildet, und dieser auch nach wie vor in die deutsche Rentenversicherung einzahlt.

    3. Einschränkungen von Wohnriester:

    Die staatliche Förderungsmaßnahme wird indes nicht unbegrenzt gewährt. Beispielsweise kann der altersgerechte Umbau einer bereits bewohnten Immobilie nicht durch Wohnriester finanziert werden. Dies gilt sowohl für die Anbringung eines Treppenlifts oder den Umbau des Badezimmers, um dieses barrierefrei erreichen zu können. Ebenso ausgeschlossen ist die Inanspruchnahme von Wohnriester bei Sanierungen, Energiesparmaßnahmen oder Modernisierungen. In diesen Fällen kann der Interessent nicht auf das Kapital der Finanzierungshilfe zurückgreifen. Wer dennoch an einer seniorengerechten Wohneinheit interessiert ist, sollte demgegenüber die Möglichkeit in Betracht ziehen, eine Seniorenwohnung zu erwerben, um diese zu bewohnen. Besondere Vorsicht ist auch bei der Finanzierung von Mehrfamilienhäusern geboten. Wohnriester kann immer nur für denjenigen Teil der Anlage beantragt werden, der letztendlich auch selbst bewohnt wird. Mit Zuschüssen für das gesamte Haus können Bürger daher nicht rechnen. Deswegen sind beim Erwerb eines Mehrfamilienhauses getrennte Finanzierungskonzepte notwendig.

    4. Das Wohnförderkonto bei Wohnriester:

    Keineswegs darf das Wohnförderkreis, das bei Wohnriester eingerichtet wird, mit einem klassischen Girokonto verglichen werden. Vielmehr handelt es sich um ein fiktives Konto, auf dem die Tilgungsleistungen registriert werden. Die Tilgungsleistungen betragen maximal 2100 € und die Registration erfolgt im Sinne der späteren Besteuerung. Daraus ergibt sich wie auch bei anderen Riester-Modellen einer nachgelagerte Besteuerung. Um diese im Nachhinein nicht zu gefährden, wurde die Einführung des Wohnförderkontos vorgenommen. Am Ende eines Kalenderjahres werden die auf dem Konto gebuchten Beträge mit einem Sollzins in Höhe von zwei Prozentpunkten verzinst. Durch die Verzinsung wird zugleich der Kontostand erhöht, was sich andererseits auf die vom Sparer zu zahlende Steuerschuld auswirkt. Wurden über einen Zeitraum von 25 Jahren der Maximalbetrag von 2100 € auf dem Wohnförderkonto gebucht, liegt der Betrag am Ende bei 68.600 €. Tatsächlich wurden jedoch nur 52.500 € auf dem Konto gebucht.

    5. Wohnriester vorzeitig nutzen und Verträge kündigen:

    Da das Leben manchmal voller Überraschungen steckt, kann es mitunter vorkommen, dass finanzielle Engpässe zu überwinden sind. Vor allem beim Wohnriester stellt sich dann die Frage, ob das eingezahlte Kapital entnommen werden kann. Dies ist prinzipiell möglich, wird das Geld jedoch vollständig entnommen, wird zeitgleich auch der Vertrag beendet. Wenn sich der Sparer hingegen dazu entschließt, einen gewissen Restbetrag in dem Sparvertrag zu belassen, kann er diesen sodann beitragsfrei stellen. Die Folge ist, dass der Vertrag damit beruht. Das eingezahlte Kapital verbleibt auf dem Konto bei einer Bank bzw. einer Versicherungsgesellschaft. In diesem Fall hat der Inhaber faktisch keine Möglichkeit mehr, auf das angesparte Geld zuzugreifen. Es wird ihm stattdessen mit Eintritt in die Rente in monatlichen Beiträgen ausbezahlt. Abzuraten ist von der Kündigung bereits abgeschlossener Altverträge. Die Kündigung würde für den Sparer massive Kosten bedeuten. Es ist nicht nur so, dass durch die Kündigung auch die Förderung verloren geht. Vielmehr wird das Finanzamt bei einer Kündigung die in der Vergangenheit ausgezahlten Zulagen sowie gewährten Steuervorteile zurückverlangen.

    6. Lebenslange Bindung an Wohnriester:

    Bei der Baufinanzierung mit staatlichen Hilfsmitteln stellt sich die Frage, ob der Begünstigte lebenslang an seine Immobilie gebunden ist. Prinzipiell sollten Menschen, die in ihrem Leben oftmals den Standort wechseln möchten, Abstand von dem Projekt Wohnriester nehmen. Wenn der Staat auf der einen Seite bereit ist, seine Bürger mit Geld zu unterstützen, fordert er im Regelfall eine Gegenleistung. Dies gilt auch bei Wohnriester. Insoweit sind Eigentümer einer geförderten Immobilie eingeschränkt. Umziehen, Verschenken, Auswandern oder Verkaufen sind nicht ohne weiteres möglich. Bei einem Verkauf muss der Erlös innerhalb von vier Jahren in eine neue Immobilie reinvestiert werden. Alternativ kann sich der Betroffene dadurch freikaufen, dass er ein anderes Produkt aus der Riester-Palette in Anspruch nimmt. Kommt der Sparer dieser Bedingung nicht nach, wird das Finanzamt sowohl die Zuschüsse als auch die Steuerersparnisse umgehend zurückfordern. Ein Verlust der Förderung scheidet demgegenüber dann aus, wenn der Sparer tatsächlich bis zu seinem Lebensende in der staatlich geförderten Immobilie lebt oder das Haus erst zehn Jahre nach seinem Eintritt in die Rente verkauft. Dies kann sich beispielsweise anbieten, wenn der Sparer aus Altersgründen in eine seniorengerechte umziehen möchte, um auf die Vorteile des altersgerechten Wohnens Zugriff zu haben.